oder: Geregelte Wohnraum Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung
Ich habe mir vorgenommen, solange “am Bau” noch nichts passiert, ich also noch die Zeit dafür habe und der Reiz des Neuen beim bloggen noch nicht verflogen ist hier den einen oder anderen Besinnungsaufsatz zu grundsätzlichen Themen des Hausbaus zu veröffentlichen. Heute schreibe ich meine persönlichen Erwägungen zum Thema “Geregelte Wohnraum Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung” auf.
Warum überhaupt lüften?
Moderne Häuser sind luftdicht. Das kann man mögen, oder nicht, ist aber so. Denn –und dafür leben wir ja in Deutschland– das ist gesetzlich so geregelt. Die EnEV 2007 schreibt für Wohngebäude ohne technische Lüftungsanlagen als Obergrenze eine Luftwechselrate von 3 *1/h bei 50 hPa Unterdruck vor. Damit man sich als Nichttechniker etwas darunter vorstellen kann versuche ich das mal so zu erklären: Dieser Wert bedeutet, das das gesamte Luftvolumen des Hauses dreimal in der Stunde ausgetauscht wird, wenn der Wind mit Windstärke 5 auf das Gebäude steht. Dies wird mit dem blower-door Test geprüft und für den Energieausweis bescheinigt. In der Regel wird ein Neubau bei dem Test aber sogar unter 1 *1/h liegen. Also, luftdicht.
Nun kann man aber bei einem 4-Personen-Normhaushalt davon ausgehen, daß täglich so etwa 12 Liter Wasser in die Raumluft abgegeben werden. Wird dieses nicht rausgelüftet, schlägt es sich an den kühlsten Punkten (sog. Wärmebrücken, bspw. in Raumecken, in der Nähe des Fensters, …) nieder und macht im günstigsten Fall nur Wasserflecken. Ansonsten freut sich aber der gemeine Schimmelpilz.
Mein Haus atmet…
Oft gehörtes Argument von anderen Häuslebauern und Hausverkäufern: “Hausanbieter XY verbaut aber einen monolithischen Wandaufbau mit ABC-Stein und mineralischem Putz, damit die Wände atmen können”. Häuser atmen nicht! Weniger als 1% der Luftfeuchtigkeit dringt durch die Außenwand, und das ist auch gut so. Wenn’s die Luft schon nicht durch die Wände schafft, wieso sollte es dem Wasser mit seinen wesentlich größeren Molekülen gelingen?
Ging doch früher auch ohne…
Natürlich hindert einen niemand daran, auch mit Fenstern regelmässig zu lüften aber wer das wirklich ernsthaft, systematisch und energieeffizient machen will (Wie das geht steht bspw. in der Broschüre Gesund Wohnen durch Lüften und Heizen – dena) hat viel zu tun. Dafür kann man sich dann schon fast Personal einstellen.
Also, erstes Argument für das System: “Faulheit”
Richtiges Lüften bedeutet im einfachsten Fall 4 mal am Tag für 5 Minuten querlüften, das heißt: 4 mal am Tag durch die ganze Bude tigern und folgenden Algorithmus ausführen:
Stoppuhr(ein);
for (Zimmer = 1; Zimmer <= MAX_Zimmer; Zimmer++) {
Heizung(aus);
Fensterbank(abräumen);
Fenster(auf);
Tür(auf);
Türstopper(ein);
};
while (Stoppuhr(Zeit) <= 5MINUTEN){
};
Stoppuhr(aus);
for (Zimmer = 1; Zimmer <= MAX_Zimmer; Zimmer++) {
Fenster(zu);
Fensterbank(vollstellen);
Heizung(ein);
Türstopper(weg);
Tür(zu);
};
Zweites Argument für das System: “Geiz”
Für ‘ne gründliche Schimmelpilzsanierung bekommt man mindestens zwei Lüftungsanlagen. Für die Kosten einer Asthmaerkrankung infolge des Einatmens des Schimmelpilzes kann man wahrscheinlich einen ganzen Straßenzug mit Lüftungsanlagen ausrüsten. Mir soll es hier aber nur um mein ganz persönliches Portemonnaie gehen: Ich spare Heizkosten! Die warme, verbrauchte Raumluft wird nämlich auf ihrem Weg nach draussen in einem Wärmetauscher an der kalten Frischluft vorbeigeführt und erwärmt diese. Feuchtigkeit und Gerüche werden dabei natürlich nicht an die Frischluft abgegeben. Die Anlage schafft es dabei etwa 80% der in der Raumluft enthaltenen Wärme zurückzugewinnen. Außerdem wird nur soviel nach draußen gelüftet, wie tatsächlich sinnvoll ist.
Drittes Argument für das System: “Hochmut”
Nee, Quatsch. Jetzt ist gut mit Todsünden. Durchs geöffnete Fenster kommt nicht nur frische Luft rein:
- Insekten → Nachts im Sommer nicht mehr die Entscheidung “Schwitzen oder Mücken”
- Staub → Milbenfutter und Putzerei
- Pollen → kann durchaus ein Argument für die Heuschnupfengeplagten dieser Welt sein
- Lärm → in reinen Wohngebieten wahrscheinlich eher zu vernachlässigen
- ungebetene “Gäste” → Laut einer Studie der Stadt Köln aus dem Jahr 2001 gehen etwa 45% der Einbrüche zulasten von Terrassentüren und Fenster. Wieviele davon standen wohl zum Lüften auf Kipp?
Fazit:
Für mich ist die geregelte Wohnraum Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung somit erfindungsmäßig auf einer Stufe mit dem Rad, dem Buchdruck und der Elektrizität zu sehen und rangiert damit noch deutlich vor geschnittenem Brot und gebeuteltem Tee. Und wenn ich will, dann kann ich immernoch eine von den 6 bodentiefen Fenstertüren zur Terrasse aufmachen.

[...] Viele Themen beim Hausbau werden ja durchaus ambivalent gesehen. Oftmals fällt die Abwägung zwischen zwei Alternativen auch durchaus schwer. Wir haben uns gegen eine kontrollierte Be- und Entlüftung entschieden. Gründe waren insbesondere die bisherige Praxis des Fensteröffnens, notwendige Kanäle die die freie Gestaltung mitunter negativ beeinflussen, mögliche Geräuschbelästigungen durch die Verbindung aller Räume mit einem System, und, und, und. Dass man dies auch durchaus anders sehen kann zeigt dieser Beitrag. [...]
Was die “Geräuschbelästigung” betrifft, kann ich durchaus Entwarnung geben man hörte von der Anlage die wir probieren durften in maximaler Leistungsstufe (Partymodus) maximal ein leises Rauschen. Das sie das Haustelefon zu ersetzen vermag glaube ich auch nicht, da jeder Raum über einen separaten Luftkanal zum Hausanschlußraum verbunden wird. Die Zu- und Abluftkanäle, die ich gesehen habe waren “diskret” im Flur untergebracht, ich habe auch schon Varianten gesehen, wo die Kanäle nur etwa 5 cm hoch sind und in Fußboden bzw. Decke verschwinden. Wenn ihr mit dem Lüften gut zurecht kommt, um so besser. Letztlich spart ihr wahrscheinlich eine Menge Geld an der Anlage.
Wie gesagt: Jedem das Seine. Wir durchlaufen halt den Algorithmus, wobei ich denke, in diesem einen Fehler gefunden zu haben: Müsste es nicht “Tüstopper (hin)” statt “Türstopper (ein)” heißen?
Das hängt ganz klar davon ab: Benutzt Du diese Edelstahl-Pucks, einen Keil oder diese fest an der Tür installierten Teile zum Runtertreten? Je nach dem kann es “hin”, “drunter” oder “ein” heißen. Da Du den Algorithmus ja selber ausführst, bleibt die Syntax für die Methode Dir überlassen.
Nach einem Jahr und vor allem einem harten Winter mit Lüfungsanlage kann ich sagen: Nie wieder ohne. Bei -20 °C dreimal am Tag alle Räume lüften zu müssen, ist inzwischen eine gruselige Vorstellung.
Nicht ganz so unterhaltsam, habe ich das auch einst im Blog beschrieben: http://tinyurl.com/dxmaoz
ciao
Rainer
[...] ist, werden Thermografie und Blower-Door Test eingesetzt. Das ist besonders dann wichtig, wenn eine geregelte Wohnraumbe- und entlüftung mit Wärmerückgewinnung eingesetzt wird um die Energiekosten gering zu halten. Veröffentlicht in Haus | [...]
[...] des Zentralgeräts der Lüftungsanlage ein Thema. Die Gründe für eine Lüftungsanlage sind von Daniel hervorragend beschrieben worden. Sie ist auch für uns ein „Must-have“. Da wir im Gegensatz zu Daniel und Anne [...]